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Fast wie eine Familie

13.09.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / GELSENKIRCHEN

Serie Teil 6: Im Hafenimbiss kennen sich die Gäste gut
 
Von Michael Muscheid

Morgens, halb zehn im Hafenimbiss: Die Luft - rauchgeschwängert von Zigaretten. In der Ecke dreht sich das Gyros saftig am Spieß, daneben werden Pommes in die Friteuse geworfen. Und an den Kaffee-Pötten, da hängen müde Männer.

Orange ist die dominierende Farbe zu dieser Uhrzeit. Man hätte es ahnen können, mit Blick auf den Parkplatz: Müllfahrzeuge überall, aus einem lugt hinten der Sperrmüll raus. "Das hier ist unsere Anlaufstelle", erklärt Helmut Pohlenz, einer der Gelsendienste-Männer; Stolz schwingt mit. In den Nebenräumen sitzt er, mit dem Rest der Truppe. Zwei Container wurden hier an die 35 m2 Imbiss angebaut, als es eng wurde zwischen den paar Tischen. "Stammtisch" steht auf einem Schild, das vor seinem Platz baumelt. Treffender geht es nicht: Pohlenz macht montags bis freitags täglich Station an der Hafenstraße.
Das Thema heute: wieder mal Schalke. "Jetzt ham wir den Edi, jetzt geht's aufwärts", wirft er ins Gewirr der Stimmen. Ein bisschen Ironie scheint mitzuschwingen, denn die Zuhörer grinsen gequält. Einer steht auf, füttert den Spielautomaten neben der Glas-Theke mit den selbst gemachten Salaten. Und immer wieder geht jemand raus auf den Hinterhof, dorthin, wo die Dixi-Klos stehen. Denn der Kaffee, der treibt.

Und schmeckt. Sagt Reinhard Salewski, ebenfalls Stammgast, der auf den ersten Blick so gar nicht hineinzupassen scheint in den Plastikbau. Orange trägt er nicht, auch keinen Blaumann, sondern Sakko und Hemd. Versicherungsvertreter ist der Wuppertaler, und wenn er unterwegs ist im Ruhrgebiet, dann schaut er vorbei im Hafen. Also fast täglich.
Auf einer Autobahnraststätte an der A 43 hatten ihm Lkw-Fahrer vom Hafenimbiss erzählt, berichtet er, und war sofort hingefahren. "Wenn ich nur ,Kännchen Kaffee' lese, bin ich schon bedient", sagt der 53-Jährige, der nicht in anonymen Autobahnraststätten oder Stadt-Cafe¿s Station machen will. In Gelsenkirchen kriegt er, was er will: einen Pott schwarze Brühe, mit Schwung auf den Tisch.
Und Leute, immer dieselben, zum Quatschen. "Über die Jahre lernt man sich gut kennen", sagt er, "wir sind fast wie eine Familie." Dass man da nicht nur über Schalke rede, klar: "Jeder hat Probleme, und die wollen gewälzt werden."
Der Hafenimbiss gehört Claudia Egbers. Die 31-Jährige hat ihn erst Anfang des Monats übernommen, Andreas Wildfang, ihr Freund, packt mit an, nach Dienstschluss. Privatleben gibt's da nicht viel. Um 5 Uhr morgens schließt sie ihren Betrieb auf, erst zwölf Stunden später dreht sie den Schlüssel in die andere Richtung. Dazwischen serviert sie Frikadellen, würzt das Gyrosfleisch, kassiert, kocht weiter am Mittagsgericht. Sonntags ausruhen, auch das ist nicht: Dann wird sortiert, eingelagert, vorgekocht. Immerhin: Drei Angestellte hat sie über die Woche, "allein wäre das auch gar nicht zu schaffen."

Stress hat sie, man hört's, aber viel Freude ebenfalls. "Bitteschön, was darf's sein, dankeschön", das waren die Floskeln, die sie früher hinter der Ladentheke eines Geschäftes in der Innenstadt beständig heruntergebetet habe. "Hier", sagt sie und schaut sich um, "geht's ganz anders zu." Sogar über ihre Katze hat sie schon gesprochen.
Was die Gäste auf die Hand wollen, das weiß Egbers längst. Die Polizeibeamten von der Nachtschicht, die ordern im Morgengrauen Currywurst, die Jungs von der Rolltor-Firma um die Ecke schwören auf Frikadellen, und der Herr Schmidt aus der Geschäftsleitung des Unternehmens ganz hinten im Hafen, "der nimmt immer ein Käsebrötchen mit Kaffee." Das nennt sie"persönliche Beziehung".
Und auch diese Bestellung hat sie schon entgegen genommen: "15 Frikadellen, ein Paket Zucker, zwei Kisten Wasser." Ein holländischer Schiffer, erklärt sie, macht fest im Industriehafen und kommt schnurstracks zu ihr. Weil ihm der Weg zum nächsten Supermarkt zu weit ist. "Oder weil's hier so gut schmeckt", ergänzt sie lachend.
Wer heute auch vorbeischaut, das sind die alten Besitzer der Bude. Gisela und Ulrich Voss - im Imbiss nur Gilla und Uli - haben den Betrieb Mitte der 90er Jahre aufgebaut, jetzt, mit 56, sind sie in der Ruhestand gegangen. Auch, weil sie über die gesamte Zeit keinen Urlaub machen konnten. Nun ist es endlich soweit.

Dass das Ehepaar noch nicht in der Sonne liegt nach dem Verkauf des Groß-Containers, das liegt an den Müllleuten. Die Männer haben ihr zum Abschied ein Ticket fürs Samstag-Spiel Schalke gegen Stuttgart geschenkt - und eine orange Weste dazu.
Morgens gegen 11 Uhr rücken die Müllwerker nach und nach ab. Einer hat's zu spät bemerkt, hebt müde den Kopf: "Ist das ein internationaler Aufbruch oder was?", ruft er fragend. Es ist.

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