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Hinter den Melonen stecken die Zigaretten

 05.09.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / GELSENKIRCHEN

Serie Teil 5: Im Zollamt wird viel versiegelt - und geprüft

Von Michael Muscheid

Ein Bau der 60er Jahre beherbergt das Zollamt. Neonröhren reflektieren sich im glänzenden PVC, Waschbecken in den Büros können hinter orangefarbenen Vorhängen versteckt werden. Auch wenn es scheint, dass die Zeit hier stehen geblieben ist: Die Aufgaben des Amtes haben sich geändert.

Und wie. Der Binnenmarkt wächst, neue Märkte werden erschlossen, die Globalisierung schreitet voran. Und dann der Strukturwandel: Kohle, Stahl und Mineralöl spielen eine immer geringere Rolle, dafür rücken Produkte der kleinen und mittelständischen Unternehmen in den Vordergrund. Kurz: "Hier hat sich einiges getan", sagt Hans-Dieter Falm mit Blick auf den Flachbau am Rande des Hafens. Und der Zollamtsmann erinnert an jene Zeiten, als DDR-Besucher hineingingen ins Gebäude, um Geld für Visa-Gebühren geltend zu machen.
Wer größere Mengen an Waren verschickt in Nicht-EU-Länder, wer welche einführt von eben dort, der muss zum Zollamt. Das galt früher, und das gilt heute. Vereinfacht ausgedrückt ist das, denn "es gibt Ausnahmen von Ausnahmen", erklärt Gerwin Wilms, der Chef des Hauses. Und von den Ausnahmen mal abgesehen: Richtlinien hätten sie, die bildeten Verzweigungen "wie Flüsse in einem Delta".
Bleiben wir also besser beim Allgemeinen. Da will in Gelsenkirchen, Bottrop, Gladbeck oder Dorsten - für dieses Gebiet ist das Amt zuständig - ein Unternehmen zum Beispiel Gerstenmalz auf den Weg nach Kasachstan schicken, Edelstahldraht nach Tschechien oder Rindfleisch nach Russland. Das Amt prüft, ob der Export erlaubt ist, stellt entsprechende Bescheinigungen aus. Damit die Lkw auch über die Grenze kommen.
Vorstellig werden müssen dafür übrigens die wenigsten Firmen an der Uferstraße. "Wir kennen die meisten Firmen, da läuft das meiste über Vertrauen", sagt Zollamtsrat Wilms.
Und doch gibt es gelegentlich "schwarze Schafe". Waren, die fürs eine Land erlaubt sind, fürs andere aber nicht, "werden später, auf hoher See, schon mal umgeleitet", weiß Wilms: "Das ist ein beliebtes Spielchen, auf das wir dann keinen Einfluss mehr haben."
Oder Waren werden falsch deklariert. So wie jene verschifften Stahlteile, die sich kürzlich als Bauteile für die Rüstungsindustrie eines asiatischen Landes entpuppten. Die angegebenen Rohlinge, berichtet der Rekener Wilms, 48, vielsagend, "waren schon ein bisschen weiter verarbeitet worden." Ein Fall für die Kollegen des Zollkriminalamts.
Und dann ist da noch der Import. Gut und gerne 1000 Waren-Eingänge verzeichnen die Computer monatlich im Schnitt, und bei gut der Hälfte schauen die Männer vom Zoll genauer hin - "zum Schutz der heimischen Wirtschaft", wie es offiziell heißt. Da muss der Lkw-Fahrer aus Tschechien dann an die Rampe fahren, und die Fracht wird mit dem verglichen, was der Zettel vorgibt, den der Fahrer aus der Hemdtasche zieht. Das Siegel, das die Zöllner in dem Nachbarland angebracht haben, wird gebrochen, und siehe da: Die Stahlrohre sind wirklich auf der Ladefläche vertaut, so wie sie vom Zollamt in Tschechien abgesegnet worden waren.
Das ist nicht immer so. "Manchmal findet sich im Lkw ein wahres Sammelsurium", berichtet Falm, der stellvertretende Zollamtschef, schmunzelnd - "als wenn der Fahrer unterwegs noch das eine oder andere aufgeladen hätte". Nicht zu vergessen jene Dinge, die versteckt werden: Etwa die vier Mio Zigaretten, die vor zwei, drei Jahren hinter Kisten mit Wassermelonen lagerten. "Das war raffiniert verpackt", erinnert sich der 61-jährige Falm.
Kommen wir zurück zu den Veränderungen. Immer mehr Post-Pakete aus Nicht-EU-Staaten, einige Hundert sind's nun pro Monat, werden von den Mitarbeitern kontrolliert - der Versandhandel per Internet macht's möglich. Zweimal pro Woche kommt die Post, die grünen Zoll-Bescheinigungen der Absender werden gelesen, dann wird entschieden, welche Pakete stichprobenartig kontrolliert werden. Immer wieder zum Vorschein kommt dabei das: Medikamente, Pornographie, gefälschte Markenartikel.
Bleibt die Erkenntnis: Vieles bleibt doch beim Alten. Beschlagnahmen müssen die Mitarbeiter des Zollamts heute noch genauso viel Verbotenes wie in den 60ern.

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