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Diesellok pfeift "Mädels" im Hafen hinterher

 09.08.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / GELSENKIRCHEN

Serie Teil 2: Bahnbetrieb startet um 4 Uhr

Von Michael Muscheid

Einmal so, wie ein Lokführer der Deutschen Bahn, gemütlich von A nach B fahren, "das wäre schön", sagt Michael Merz. Bei ihm sieht die Sache anders aus. Klar, auch er fährt eine Lok. Aber immer nur ganz kurz. Dann wird wieder rangiert. Und nochmals rangiert.
Gut 20 Kilometer ist es groß, das Schienennetz im Hafen. 250 bis 300 Waggons rollen wöchentlich über die Schwellen, von montags bis freitags, von nachts um vier bis abends um 21 Uhr. Lokführer, Rangierleiter, Disponenten und der Eisenbahnbetriebsleiter, elf sind es an der Zahl, sie organisieren den Bahnbetrieb, sorgen in mehreren Schichten dafür, dass Stahl, Schrott oder Diesel reibungslos per Lok zu den Firmen kommen - oder von dort abgeholt werden.
Und zwar schnellstens. "Hat eine Firma keine Waggons, können ihre Mitarbeiter unter Umständen nicht weiter arbeiten", erklärt Joachim Kampert, Disponent vom Dienst, der aus einer Art Schalt-Zentrale im ersten Stock der Gelsen-Log hinüber schauen kann auf den Rangierbahnhof mit seinen sechs, gut 500 Meter langen Gleisen. Umgeben ist der Mann von vier Telefonen, einem Computer, Arbeitszetteln. Seine Aufgabe, vereinfacht ausgedrückt: Aufträge der Unternehmen annehmen, der Zug-Besatzung über Funk durchgeben, welcher Waggon zu welcher Firma soll. Oder welche Firma welchen Waggon auf die Reise schicken will. Wie gesagt: schnellstens.
Drei bis vier Mal pro Tag schaut die Deutsche Bahn im Hafen vorbei und stellt eine Perlenschnur voller Waggons in den Bahnhof. Leider nicht "schön sortiert", wie Michael Merz, der Lokführer, nur zu gut weiß, sondern "bunt gemischt". Bedeutet: Die ersten sechs Waggons müssen womöglich zur Firma A, die drei folgenden zur Firma B, die letzten acht zur Firma C transportiert werden. Leider liegt Firma C nicht selten zwischen den Firmen A oder B. Und, um es noch komplizierter zu machen: Einige Firmen haben mehrere Hallen, sprich: Gleise, da müssen zwei Waggons von Firma C womöglich in die eine Halle, die sechs übrigen in andere Hallen.
Mit der Zeit, sagt Merz schmunzelnd, blicke man da durch, bekomme ein Gespür für das korrekte - und, richtig: schnelle - Sortieren des Zuges. Was dennoch (oder gerade deshalb) ständig nötig ist, das ist Rangieren.
Seine 66 Tonnen schwere Diesellok lenkt Merz per Joystick im Zuckeltempo durch die Mittagshitze. Doch Platz auf dem Stuhl des Lokführers nimmt er kein einziges Mal während seiner Acht-Stunden-Schicht. "Rauf, runter, rauf, runter" vom Zug geht es, nicht nur für ihn, sondern erst recht für seinen Begleiter, den Rangierleiter Turan Tüfek. Weichen müssen immer wieder aufs Neue gestellt, Signallampen zur Warnung der Autofahrer auf Rot geschaltet, Waggons an- und abgekuppelt werden - fast alles per Hand. "Da legen wir pro Schicht schon ein paar Kilometer zurück", sagt der 34-jährige Merz und meint damit: zu Fuß.
Dass er nicht, wie die Kollegen der Deutschen Bahn, gemütlich von A nach B fahren kann, das mache ihm nichts aus, betont Merz, denn dafür sei sein Job allemal spannender, und erst recht spannender als das "stupide Herumsitzen vieler Arbeitnehmer im Büro" - "auch wenn dort gerade nicht so der Lorenz knallt". Die Wagen gehörten beständig kontrolliert und gewartet, die Firmen pünktlich beliefert. Das bedeute "viel Anpacken".
Und im Hafen, da gebe es so seine Klippen, die wollten umschifft werden: Mal regnet's in Strömen, mal schießt ein Lkw durch eine Halle auf die Gleise, mal entdeckt er eine Delle im Tankwagen. "Hier muss man immer voll konzentriert sein." "Versuchen Sie das mal, wenn Sie um 4 Uhr morgens aufstehen müssen."
Ach ja: Wer nur von A nach B fährt, der lernt auch die vielen Menschen an der Strecke nicht kennen. Merz und Tüfek schon, nicht zuletzt deshalb, weil sie auf den kleinen Zockelstrecken vorbei an Benzintanks, Schrotthaufen und Hafenbecken, so schön den Hafen-Bediensteten hinterherpfeifen können. Überall dort nämlich, wo an den Gleisen das Schild mit dem großen "P" einen kurzen, aber durchdringenden Pfeifton vorschreibt.
Etwa kurz vor der Stelle, an der die Diesellok direkt an den Büro-Fenstern einer Firma vorbeischleicht. "Da wissen die Mädels gleich, dass wir vorbeikommen", sagt der Lok-Führer schmunzelnd und hebt schon mal einen Arm zum Winken. Und drückt noch einmal auf die "Hupe".

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