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Im Hafen tobt der Bär - aber kaum einer weiß es

02.08.2003 / WAZ / LOKALAUSGABE / GELSENKIRCHEN

Serie Teil 1:
Überblick über die Geschichte - Gelsen-Log will den Dornröschenschlaf beenden - Eine kleine Welt für sich

Von Michael Muscheid

Der Hafen ist eine kleine Welt für sich. Sagt Günther Friedrich, Geschäftsführer von Gelsen-Log und damit sowas wie der Herr des Hafens. 365 Tage - "und Nächte" - tobe zwischen Kränen und Kähnen der Bär. Nur: Was dort passiere, das wüssten die Wenigsten.

Den Hafen gibt es halt. Basta. So beschreibt Friedrich - Chef der Gelsenkirchener Logistik-, Hafen- und Servicegesellschaft, kurz: Gelsen-Log - die Einstellung der Gelsenkirchener zu "ihrem" Hafen. "Als hätten wir ein Gewerbegebiet zu verwalten", seufzt Friedrich. Hat Gelsen-Log aber nicht: 1,2 Mio m2 groß ist der Stadthafen, 120 000 m2 sind Wasserfläche, 65 Firmen beherbergt er. Und die haben Jobs geschaffen für gut 2500 Menschen. Sie arbeiten in Silos oder Tanklagern, sitzen auf Loks oder Kränen, wuchten Metalle oder Hölzer.
Überhaupt: verwalten. Das tut Gelsen-Log, klar, doch vor allem auch gestalten, betont Franz-Josef Grefrath, Prokurist der Gesellschaft. Für möglichst viel Umschlag sorgen will die städtische Tochter und Firmen nicht nur pflegen, sondern auch anlocken. Das gehe auch durch "Aufmerksamkeit erregen", sagt Grefrath - frei nach seinem unbescheidenen Motto: "Wir können alles."

In erster Linie, natürlich, Güter auf die Reise bringen, längst nicht nur auf dem Wasserweg, sondern auch per Schiene, Straße oder Luft. Und zwar "alles aus einer Hand"; Partner machen's möglich. Hier soll das Netzwerk Logistik künftig eine wichtige Rolle spielen, das Stadt und Gelsen-Log aufbauen. Denn noch heute, weiß Hafen-Chef Friedrich, gebe es in dieser Region "große Speditionen, die nicht wissen, dass man bei uns im Hafen etwas umschlagen kann". Das soll sich ändern. Und zwar möglichst schnell. Muss es auch, denn der Strukturwandel hat vor dem Hafen nicht halt gemacht. Grubenhölzer und Erze, über viele Jahre augenfällige Umschlaggüter, spielen allenfalls noch eine Nebenrolle.
Wer hätte das damals gedacht, anno 1914. Am 13. Juli, kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, lief das erste Schiff in den neuen Hafen am - ebenfalls neuen - Rhein-Herne-Kanal ein. "Elisabeth" hieß der Motorsegler, der 200 Tonnen Zucker löschte - und somit den Stadtplanern die Premiere versüßte. Bitter nötig war das, denn leicht hatten es sich die Verantwortlichen nicht gemacht, um zu ihrem Hafen zu kommen. Zwei Jahre hatte es gedauert,
bis die Stadtverordnetenversammlung 1909 grünes Licht für den Bau des "Schiffsbahnhofes" gegeben hatte, bis ihre großen Bedenken wegen der Rentabilität und der Belastung des Etats - für den Bau des Hafens waren sechs Mio Goldmark veranschlagt worden - ausgeräumt waren.

Dass es im Hafen über all die Jahrzehnte nicht immer rund lief, dass nicht immer - so wie heute - unterm Strich "eine schwarze Null" (Friedrich) erwirtschaftet wurde, lag aber meist an Faktoren, an die die Stadtväter von einst wohl kaum gedacht haben: an zwei Weltkriegen etwa, an Wirtschaftskrisen oder eben am Strukturwandel. Und wohl auch den privaten Häfen, die in Gelsenkirchen entstanden - und die zusammen ein Vielfaches von dem umschlugen, was der Stadthafen erreichte: die Häfen Bismarck, Nordstern, Hibernia, Grimberg und Hugo.
Bilder gibt es, die laden auch zum Schmunzeln ein. Man denke etwa an das Freibad, das die
Hafenkommission zwischen den Weltkriegen eröffnete, im Handelshafen, "beidgeschlechtlich", wie eigens festgelegt worden war. Man staune: eine "Reviera" in den 20ern und 30ern, mit echtem Strand vor Kohlekränen. Oder das Bild jenes (nicht gerade sportlichen) Mannes, der anno 1930 seine "Wasserski" präsentierte, der mit Mini-Kähnen unter den Füßen kanalabwärts glitt, um sein neuentwickeltes Produkt zu preisen. Erfolg, man weiß es heute, hatte er nicht. Wohl aber der Hafen, allen Krisen zum Trotz. 2,1 Mio Tonnen betrug der Güterumschlag per Bahn und Schiff im vergangenen Jahr (die sechs Mio Tonnen über die Straße kommen noch hinzu), und damit rangiert der Gelsenkirchener Hafen unter den deutschen Kanalhäfen auf Rang zwei - hinter Dortmund. Dass dies noch ausbaufähig ist, zeigt ein Blick in die Statistik: 1992, ein Rekordjahr, gab's einen Güterumschlag von 3,1 Mio Tonnen.

Gelsen-Log will versuchen, "den Stadthafen aus seinem Dornröschenschlaf wachzuküssen", wie Geschäftsführer Günther Friedrich es ausdrückt. Möglich sei das allemal, weiß auch Dezernent Joachim Hampe, der Wirtschaftsförderer: "Im Hafen steckt jede Menge Entwicklungspotenzial."

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